Reinhard
David Flender Reinhard David Flender, Komponist, geb. 1953 in Bergneustadt.
Studium in Hamburg, Münster und Jerusalem. Master of Art Hebrew University
1981; Dissertation Hamburg 1984; Habilitation Hamburg 1994. Seit 1983
Dozent für Musikgeschichte (seit 1991 Teilzeitprofessor) für
Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg.
Seit 1987 Leiter der Klassikabteilung im Peer Musikverlag. 1989 - 1999
künstlerischer Leiter des Festivals "Hörwelten" -
Hamburger Begegnung im Zeichen zeitgenössischer Musik (zus. mit E.
Lampson). 1994-1998 Privatdozent am Musikwissenschaftlichen Institut der
Universität Hamburg. Seit 1999 Gründer und Direktor des Instituts
für kulturelle Innovationsforschung, new classical e.V. (IKI) an
der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. SS 2000 composer
in residence an der Universität Witten-Herdecke. Sept. 2000 composer
in residence an der Cité de la Musique in Marseille.
Nach
einer Ausbildung als Komponist und Konzertpianist, die er 1976 mit der
künstlerischen Reifeprüfung abschloss, wird seine kompositorische
Arbeit durch einen vierjährigen Aufenthalt in Israel (1977-1981)
geprägt. Die musikethnologische Forschungsarbeit konzentriert sich
zunächst auf die liturgische Musik der Synagoge. Sein Kompositionslehrer
Josef Tal, der in Berlin noch Schönberg kennen gelernt hatte, führt
ihn in die Kompositionslehre der 2. Wiener Schule ein. Außerdem
arbeitet Flender in Tals Studio für elektronische Musik. Es entsteht
das Solo Oratorium Bavoh le tishre für Sopran, Klavier, Cello und
elektronisches Band, das 1980 in Jerusalem uraufgeführt wurde. Die
1988 entstandenen Pirkei Tehillim für Sopran und Klavier verarbeiten
die mündlich überlieferten Traditionen hebräischer Psalmodie.
Flender
hat Hunderte von jüdischen Melodien aufgenommen und transkribiert
(s. Hebrew Psalmody (1990) und Der biblische Sprechgesang (1988). Er sieht
sich hier in der Tradition von Bela Bartok, der das musikalische Vokabular
des 20. Jh durch die Erkenntnisse seiner musikethnologischen Forschungen
wesentlich bereichern konnte. Flenders Musikästhetik schließt
den rhythmischen und melodischen Reichtum außereuropäischer
Musiktraditionen mit ein.
In den 80er
Jahren setzt sich Flender insbesondere mit der Musik György Ligetis
und Alfred Schnittkes auseinander, zu denen er in Hamburg freundschaftliche
Kontakte pflegt. Sein Werk "Threnos II" wird 1991 auf dem Wiener
Internationalem Kompositionswettbewerb ausgezeichnet und von Friedrich
Cerha mit dem Ensemble "Die Reihe" uraufgeführt. Weitere
wichtige Werke sind das "Trio in einem Satz", das für das
Trio Fontenay entstand, und die Kammeroper "Mein lieber blauer Reiter"
nach Texten von Else-Lasker Schüler. Zusammen mit Henry Fourès
und Martin-Christoph Redel leitet er seit 2001 die internationale Sommerakademie
für zeitgenössische Kammermusik "Jeunesse Moderne".
Zu
seinen wichtigsten Werken gehören: ALEA JACTA
EST für Klavier solo (1977); PERKUSSIANA für Flöte, Klavier und Schlagzeug
(1985); PIRKEI TEHILLIM für Sopran und Orchester (1989); ZWEI HEBRÄISCHE
CHORPSALMEN (1990); DUO IN ZWEI SÄTZEN FÜR Violine und Klavier (1991);
TRIO IN EINEM SATZ für Klaviertrio (1993); KLAVIERKONZERT (1995). MEIN
LIEBER BLAUER REITER 14 Bilder aus dem Leben der Else Lasker-Schüler für
Sopran und 14 Instrumentalisten (1997). CD-Veröffentlichung:
AURORA, THRENOS IV, PIRKEI TEHILLIM, MEMORARE. col legno WWE 1CD 20007.
Informationen
über die wissenschaftlichen Veröffentlichungen unter www.flender.org
Stand:
20.03.2006
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